Kursbericht - Berittenes Bogenschießen - 01.-03.10.2011 in Rauhenebrach/Gerolzhofen

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Zum zweiten Mal in diesem Jahr fand in Rauhenebrach auf der Steigerwald Ranch ein Kurs zum Berittenen Bogenschießen mit der Familie Némethy statt. Der Kurs bot sowohl für Einsteiger und Anfänger als auch für Fortgeschrittene ein breites Spektrum an Übungsmöglichkeiten und war so eine gelungene Fortsetzung zu der ersten Veranstaltung.

Der erste Tag war darauf aufgebaut die Technik des Ladens und den Umgang mit den Bögen zu verfeinern.

Nach gut 100 geschossenen Pfeilen wusste jeder Teilnehmer am Abend „was" er geleistet hatte! Dabei stand nicht nur die sportliche Disziplin, sondern auch der Spaß im Vordergrund, da Zoltán und Christoph Némehty es immer wieder zu verstehen wussten die Trainingseinheiten durch „sportliche" Einheiten wie Liegestützen oder Kniebeugen aufzulockern. Dies mag zwar für jemanden, der nicht dabei war, nun seltsam klingen - jedoch tat es gut, nicht zu sehr auf die Zielscheibe fixiert zu sein. Abgesehen davon spürte man abends oder spätestens am nächsten Morgen Muskelpartien, von denen man noch gar nichts gewusst hatte. Schließlich ging es bei dem Training auch darum „bewusst" zu sein - im Hier und Jetzt. Wie Christoph immer so schön sagt: „Der Pfeil, der raus geschossen wurde, ist Vergangenheit, nicht darüber nachdenken, nach vorne schauen und den nächsten Pfeil laden."

Am zweiten Tag wurden die Übungseinheiten vom Vortag wiederholt, vertieft und gezielt darauf aufgebaut, damit es dann nachmittags zu Pferd weiter gehen konnte. Besonders eindrucksvoll und zur Einstimmung für jeden Tag, sowie zur körperlichen Aufwärmung und Auflockerung dienlich, waren die tägliche Begrüßung und Ehrung der Ahnen und der Gelehrten, die Meditation, sowie das anschließende Aufwärmprogramm. Es zeigte schon, dass es sich hier nicht nur einfach um „Wild-West"-Bogenschießen handelte, sondern dass es sich vielmehr um Tradition und um Wissen handelt, welche hier vermittelt wurden. Christoph und Zoltán Némethy schafften es durch ihre Übungen - gemeinsames Laden, Spannen und Schießen, teilweise mit Kampfschrei - eine Einheit in der Gruppe zu erzeugen, was sich sehr positiv auf die Energie der Gemeinschaft auswirkte. Diszipliniert machten alle Teilnehmer mit und folgten den Anweisungen, die traditionell in Ungarisch gegeben wurden. Nach der Mittagspause am zweiten Tag war es dann so weit - endlich - wir durften auf die Pferde!

Wer von den Teilnehmern keine Möglichkeit hatte, sein eigenes Pferd mitzubringen, durfte auf den Privatpferden, die freundlicherweise von Julia Väth und Melanie Schöpplein zur Verfügung gestellt wurden, seine ersten Schießversuche starten. Auch die Teilnehmer, die ihre Pferde dabei hatten, waren so nett und boten ihre Pferde dafür an. Ein tierisches und herzliches Dankeschön an dieser Stelle an alle Pferdebesitzer, denn es ist nicht selbstverständlich ein Pferd einfach so „geliehen" zu bekommen. Die ersten Übungen erfolgten im Schritt, teilweise geführt, teilweise auch alleine geritten, um ein Gefühl für die nun veränderte Körperposition - vom Stand zum Sitzen/Reiten in der Bewegung - zu bekommen. Plötzlich war es dann doch nicht mehr ganz so einfach, den Pfeil zu laden, korrekt zu spannen und auch noch in der Bewegung zu zielen. Aber wie bei allem - Übung macht den Meister! Dank der tollen Unterstützung von Christoph und den ausgeglichenen Pferden gelang es jedem Teilnehmer sein Ziel zu treffen. Nach so viel körperlicher Betätigung musste man sich kräftig stärken! Auch dafür wurde vorzüglich von Julia Väth und Melanie Schöpplein gesorgt. Mit einem prächtigen Frühstück, einem leckeren Mittagessen, sowie einer Möglichkeit für Kaffee und Kuchen und einem Grillabend am zweiten Tag wurde für das leibliche Wohl hervorragend gesorgt. Am dritten Tag konnte durch organisatorisches Geschick die Außenreitanlage des Reitsportvereines in Gerolzhofen genutzt werden. Zwar musste die gesamte Mannschaft dahin umziehen. Jedoch halfen alle mit und so entstand in kürzester Zeit eine Reitbahn auf dem Freiluftgelände, durch die man später die Pferde im Galopp durchlaufen lassen konnte, um dabei das Laden, Spannen und Schießen vom Pferd aus zu üben. Vor dem Hintergrund des jüdischen Friedhofs begann das Training mit dem morgendlichen Begrüßungsritual und Aufwärmtraining. Es folgte ein weiteres Technik-Training, wobei jeder Teilnehmer gefilmt wurde und sich selbst anschließend sehen konnte. Eine geniale Möglichkeit dank der Technik! Es war sehr hilfreich, sich selbst betrachten zu können, um evtl. Feinheiten/Fehler verbessern zu können. Im anschließenden Training mit den Pferden wurde zwar nicht sofort vom Pferd aus geschossen, denn es war wohl ein Unterschied in der Halle im Kreis zu reiten als an der frischen Luft über ein weit großräumigeres Gelände, woran sich Pferd und Reiter erst einmal gewöhnen durften. Jedoch nach kurzer Zeit war dies kein Problem mehr und die Teilnehmer konnten sich auf ihre Übungen konzentrieren und die ersten Schritte zum berittenen Bogenschießen - vom Pferd aus im Galopp - bewältigen. Wow! Das war nicht nur spannend sondern ein wunderbares Gefühl - im Einklang mit den Pferden, die in diesem Moment ohne Zügeleinwirkung unter dem Reiter liefen, da die Hände für Pfeil und Bogen benötigt wurden - vollstes Vertrauen - einfach Hammer! Klar das man da vielleicht nicht so viele Pfeile wie an den Tagen zuvor abschießen konnte. Aber die Möglichkeit zu bekommen, dies direkt mit den Pferden üben zu dürfen, war schon eine riesen Sache!

Es eignet sich auch vielleicht nicht jedes Pferd - bzw. manche muss man erst vorher sanft an das Neue heranbringen. Nicht jedes Pferd besitzt den Respekt und das Vertrauen zu seinem Reiter um ruhig zu bleiben und entgegen seines Instinkts beim plötzlichen Zischgeräusch des wegsausenden Pfeils nicht zu flüchten. Dies hat keinen Zusammenhang mit der Reitweise oder der Rasse / Farbe oder gar dem Geschlecht des Pferdes - sondern spiegelt eindeutig das Verhältnis zwischen Pferd und Reiter wieder. Natürlich gibt es auch hier „Sensibelchen" und welche, die das weniger aus der Ruhe bringt. Um künftig Einsteigern zusammen mit ihren Pferden die Möglichkeit einer Teilnahme an einem berittenen Bogenschießkurs zu geben, sind in Absprache mit Julia Väth und Melanie Schöpplein Workshops für das Training der Pferde in Zusammenarbeit mit Christine Pecha (www.kawayo.de) angedacht. Am Abend des dritten Tages waren alle glücklich und zufrieden über einen erfolgreichen und interessanten Kurs.

Vielen Dank an dieser Stelle an Julia und Melanie für die Organisation und an Zoltán und Christoph Némethy für die Geduld, Ausdauer und Freundlichkeit bei der Umsetzung des Kurses. Wir freuen uns alle auf ein nächstes Mal! Um die Wartezeit bis dahin zu verkürzen sind Trainingseinheiten mit und ohne Pferd geplant. Wer daran interessiert ist, kann sich gerne an Julia Väth und Melanie Schöpplein für den Raum Franken wenden. Wir würden uns freuen in regelmäßigen Abständen zu trainieren, denn eines war ganz deutlich an diesem Wochenende - zusammen macht es einfach viel mehr Spaß!