El Condor pasa !

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Das Rauschen der Condor-Schwingen über unseren Köpfen... ein atemberaubender Augenblick!

Unser Andenritt stand unter dem Zeichen der größten Geier der Lüfte. Ahnen konnten wir dies vorab nicht, denn auf Bestellung lassen sie sich nicht blicken.

Bis wir schließlich in Mendoza eintrafen, überstanden wir eininge Strapazen: Der Flug verspätet, die Koffer verloren, schlechtes Wetter und Sturmwarnung ... der heiß ersehnten Andenritt, startete etwas anders als lange geplant und erwartet.

 

Wir waren dieses Jahr zu acht. Bekannte und neue Gesichter, alle mit dem gleichen Ziel die:

CABALGATA DE LOS ANDES.

Wir hatten uns zu Neujahr schon zu einem ersten Kennenlernritt auf der Markter Burg getroffen und  freuten uns auf die gemeinsame Unternehmung, wie Kinder in Erwartung auf das Christkind. Jede Menge Fragen wurden diskutiert, unsere Tour war schließlich nur noch ein paar Wochen entfernt -der Countdown läuft!

Alleine die Reise nach Argentinien ist schon ein Abenteuer. Zeitzonenwechsel und die Jahreszeitumstellung standen bevor - vom Winter in den heißen Sommer. Auch die Mentalität der Menschen erforderte Anpassung. Im Süden Südamerikas ist nicht nur einiges anders, sondern das Meiste. Die Herzlichkeit mit der man empfangen wird sucht seinesgleichen und hilft über die eine oder andere Panne hinweg.

So saßen wir am Abend des vereinbarten Tages tatsächlich auf „unseren Pferden“ bzw. ich auf meinem Muli „Pelutsche (Teddybär)“. Nach 20 Stunden Fahrt und einer verpassten Bus- Kombination hatten wir das kaum für möglich gehalten.

Unsere Gefährten waren schon vorbereitet, wir mussten nur noch aufsteigen und los ging die Karawane. Wir, 8 Deutsche, Rittführer Dario und seine 3 Gauchos. Nicht zu vergessen 4 Packmulis, die all das transportierten, was unser Herz in der kommenden Woche begehre sollte.

Ich hatte mir fest vorgenommen, wie gewohnt gebisslos zu reiten; so schleppte ich 8 anpassbare „Bändele“ nach Argentinien. Die Gauchos waren zunächst erstaunt über unser Vorhaben, vorsichtige Einwände äußerten sie aber erst nach 2 Tagen. Am Ende des Rittes gaben sie allerdings erstaunt zu, dass das für sie ungewohnte Experiment „gebissfrei“ in dieser extremen Landschaft problemlos funktioniert hatte.

Zu Beginn unseres Abenteuer-Rittes befanden wir uns am Ufer des Rio Grande. Die atemberaubende Landschaft zog uns, trotz aller erforderlichen Aufmerksamkeit für die uns anvertrauten Tiere, in ihren Bann. Froh endlich gestartet zu sein, genossen wir den Sonnenuntergang in den Anden. Schon jetzt ereilte uns eine Sintflut von Eindrücken - doch es war bloß der Anfang … Das Gefühl, ein Traum in Realität zu erleben, sollte in den kommenden 3 Wochen Argentinien nie aufhören!

Bei Einbruch der Dunkelheit trafen wir im sog. Rancho, einer der Gaucho-Unterkünfte ein. Die Pferde wurden abgesattelt , die Mulis von ihrer Last befreit. Manche unserer Tiere durften frei laufen, einige waren gehobbelt und andere an Lasso gebunden. Das Feuer war schnell entfacht und der leckere Asadogeruch (auf argentinisch: egal welches Fleisch, hauptsche gegrillt) wurde vom Wind zu uns getragen. Wir wurden mit dem Essen regelrecht verwöhnt; es wurde immer frisch gekocht, gegrillt oder gebraten. Keine Dosen, keine Fertiggerichte. Wir Turis saßen etwas unbeholfen und müde auf den Packkisten am Feuer und tauschten das Erlebte aus. Ein Schluck Wein, ein Stück Käse und hausgemachtes Brot aus dem Lehmbackofen.

Der Sternenhimmel war so beeindruckend, dass wir uns nicht satt sehen konnten. Schließlich beschlossen wir, in den kommenden Nächten draußen zu schlafen, um dieses Spektakel zu erleben. Gut, dass es weder Schlangen noch Skorpione gab. Die Satteldecken dienten uns als Matte, die Sattelbäume als Kopfkissen. Es ist besser als man meint und viel besser als eine Isomatte. Der Wollfilz und die Ponchos sind stark kälteisolierend und wärmten uns in den kalten Nächten.

Die ersten 3 Tage hatten wir oft das Gefühl, in einer Art Windkanal zu reiten. Die Pferde neigten sich ganz vergnügt schräg gegen den beständig starken Wind und liefen unbeeindruckt weiter. Mithilfe unserer vierbeinigen Partner kletterten wir der chilenischen Grenze entgegen. Diese Andenpferdchen sich unglaublich, sie laufen und laufen, rauf und runter, sie springen von Stein zu Stein, sie rutschen auf der Hinterhand das Geröll hinab und bleiben stets gelassen und freundlich.
So mancher Teilnehmer schaute mittlerweile ungeduldig zum Himmel, der ersehnte Anden-Condor bevorzugt jedoch windstilles Wetter. Die Tage vergingen und als es niemand mehr erwartete, kam er, nein sie!. Die Fotoapparate wurden umständlich aus den Taschen gezogen. Das beeindruckende war allerdings nur für unsere Augen bestimmt, dieses unglaubliche Gefühl, das kein Bild wieder geben kann. Unsere Herzen klopften immer schneller. Am leuchtend blauen Himmel zeigten sich uns 2, 3, nein 5 und ja, sage und schreibe 6 der wunderschönen dunklen Riesenvögel. Nie werde ich dieses Geräusch, dieses Hauchen des Windes über die Schwingen vergessen. Sie zogen ein paar Runden über unsere Köpfe,um dann wieder hinter einen Berg zu verschwinden. Diese Begegnung erfüllte unsere Herzen und blieb nicht nur diesem Tag Gesprächsthema. Dennoch gab es noch unheimlich viele weitere Überraschungen für uns, die man kaum beschreiben, sondern nur selbst erleben kann. Die Natur in ihrer vollen Ursprünglichkeit beschenkte uns derart, dass die gesammelten Fotos am Ende der Reise ein Speichervolumen von 16 GB erreichten – ein Bruchteil von den vielen angenehmen Gefühlen und Eindrücken, die für immer in unser Erinnerung bleiben werden.

Tina Boche

Letzte Änderung am Samstag, 02 Dezember 2017 16:53

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