Wie verlade ich mein Pferd?

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Eine Vorführung beim VFD-Kreisverband Bamberg

Ein Pferd verladen zu müssen, kann auf jede Pferdebesitzerin und jeden Pferdebesitzer aus unterschiedlichsten Gründen zukommen. Meist müssen dabei die Tiere möglichst zügig in den Hänger gebracht werden. Deshalb war das Interesse an der vom VFD-Kreisverband Bamberg angebotenen Vorführung von Gerd Spindler, dem es bisher gelang, jedes Pferd zu verladen, sehr groß. Am Freizeitstall in Schammelsdorf erlebten die Interessierten hautnah an drei Problempferden mit, dass es beim Verladen auf Timing und Kommunikation ankommt.

Das Pferd läuft zur Ruhe hin

Spindler erklärte bei der ersten Demonstration, dass es zunächst wichtig ist, dass das Pferd vor der Rampe aus der Panik geholt und zur Entspannung gebracht wird. Dies geschieht dadurch, dass derIMG 4955 Verladende durch bewusstes Ausatmen selbst zur Ruhe kommt und somit dem Tier signalisiert, dass es gleichfalls in eine Entspannung gehen kann. Er unterstützt das mit massierenden Berührungen im Kopf- und Halsbereich, sodass er das Pferd mit in die Entspannung nimmt, bis es seinen Kopf senkt.

Danach stellt sich der Verladende auf die Rampe und fragt das Pferd an, ob es sich in seine Richtung bewegen will. Dabei wird jeder Versuch gelobt, wenn sich das Tier in Richtung der Rampe bewegt, ohne dass irgendein Druck ausgeübt wird. Geht das Pferd rückwärts, hält Spindler mit dem Seil am Stallhalfter gleichmäßig dagegen. Hier ist Timing gefragt, denn sobald das Pferd nachgibt, also stehen bleibt oder leicht nach vorne geht, muss das Gegenhalten beendet werden. Spindler kommentierte diesen Vorgang mit:„Das Pferd läuft zur Ruhe hin.“ Wichtig seien Respekt und Lob anstelle von Dominanz. Denn das Pferd frage an: „Bist Du sicher, dass ich da rein soll?“ Und der Mensch müsse antworten: „Ich bin sicher, d.h. überzeugt davon, dass Du da rein gehst und dass Dir nichts passiert.“

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Das Pferd in den Hänger fühlen

Der Trainer erläuterte, dass im Normalfall ein Stallhalfter, eine Gerte als verlängerte Hand  und ein dreieinhalb Meter langes Seil ausreichen, mit denen er versucht, von rechts führend jeden Schritt des Pferdes zu kontrollieren, und es mit Geduld und Loben zu sich auf die Rampe zu holen. Dabei darf das Tier auch immer wieder nein-sagen und anfragen (stehen bleiben oder leicht rückwärtsgehen), wobei der Verladende in der Ruhe bleibt und das Pferd durch stetiges Loben und Tadeln (Timing) in den Hänger führt. Wenn das Pferd im Hänger steht, bleibt er als Verladender eine Weile sichtbar für das Pferd mit im Hänger und bestimmt dann, wann er das Pferd je nach Situation im Training wieder langsam und sicher nach draußen führt. Damit wird neben dem Hereinführen auch ein stressfreies Herausführen geübt.

Im Verlauf der Demonstration kam Spindler noch zusätzlich auf einige konkrete Hinweise zu sprechen. Er verwies darauf, dass im eigenen Interesse die Verwendung von Sicherheitsschuhen und IMG 4941Lederhandschuhen angebracht sei, um das Verletzungsrisiko für sich selbst zu minimieren. Außerdem sei es gut, linkshändische Pferde auf der rechten Hängerseite zu verladen und umgekehrt. Dies sei völlig unabhängig von der immer wieder gestellten Frage, welcher Verladeplatz bei beispielsweise nur einem transportierten Pferd die beste Lösung sei, wenn man mit dem Hänger ins Bankett komme. Denn dies dürfe z.B. bei Tempo 80km/h nicht passieren. Wer dies befürchte, solle grundsätzlich über Hängerfahrten nachdenken. Beim Verladetraining reiche ein Stallhalfter aus. Aber wenn ein ungeübtes oder traumatisiertes Pferd in den Hänger gebracht werden müsse, dann verwende er als weiteres Hilfsmittel auch eine Führkette. Das Pferd sollte allerdings nie mit Gebiss oder Trense verladen werden. Zu beachten sei auch, dass der Ranghöhere (Mensch) den Rangniedrigen (Pferd) schickt und erst dann, wenn das Pferd den ersten Schritt gemacht hat, mitgeht.  Das Entscheidende sei, ein Pferd in den Hänger zu fühlen und nicht zu ziehen. Dabei führt die fühlende, wegweisende Hand dahin, wohin das Pferd gehen soll.

 

Notwendige Grundausbildungen

IMG 4948Die Demonstration machte auch deutlich, dass Pferde mit negativen Erfahrungen nicht stressfrei in einen Hänger gebracht werden können, wenn sie aus zeitlichen, finanziellen oder gesundheitlichen Gründen schnell verladen werden müssen. Deshalb ist auch für einen Profi wie Spindler immer wichtig, sich beim Verladen die Zeit zu nehmen, die es für das jeweilige Pferd braucht. Außerdem sind verschiedene Grundausbildungen für ein entspanntes Verladen auch in schwierigen Situationen unabdingbar: Ein Pferd muss ruhig stehen bleiben und sich aus verschiedenen Positionen führen lassen, sich überall am Körper mit der Hand oder der Gerte berühren lassen und auf leichten Druck weichen können. Der oder die Verladende sollte dem Pferd Sicherheit vermitteln, immer wieder Ruhe in den Vorgang bringen und die Zeichen des Pferdes (Pferdesprache) erkennen und darauf reagieren können.

Renate Baierl

VFD-Bamberg

Letzte Änderung am Donnerstag, 29 Juli 2021 16:46